Direkt vorneweg: Die Ziffer in der Modellbezeichnung steht für die Ladeleistung – und zwar der Ladesäule, nicht pro Ladepunkt. Bei der eTower 200 werden die 200 kW auf beide Ladepunkte aufgeteilt. Das ist eine bewusste Entscheidung der Dortmunder, gleich dazu mehr. Man wird zwar im kommenden Jahr mit dem 200-kW-HPC starten, später sollen weitere Leistungsstufen folgen.

„Wenn man über HPC spricht, spricht man oft über den Bereich 300 bis 400 kW. Es gibt aber eine Menge an Use Cases, wo 400 kW zu viel und im Gesamtprojekt zu teuer ist“, sagte Compleo-CEO Jörg Lohr vor Journalisten zur Begründung. „Mit der Leistungsklasse 200 kW haben wir einen Use Case, der von vielen CPO als weiteres Standbein neben dem 400-kW-Sektor an Autobahnen gesehen wird.“

Lohr hatte bereits im November 2022 im electrive-Interview erklärt, dass das ausufernde Produktportfolio von Compleo stark eingedampft werden soll – auf die „Big Five“, also fünf Produktfamilien mit jeweils fünf Modellen. Mit den 25 vereinheitlichten Produkten (anstelle von über 370 Produkten davor) soll der Markt bedient werden. Dazu gehört auch die neue HPC-Familie, für die die Telekom-Tochter Comfort Charge direkt als Erstkunde präsentiert wurde.

Aber: Lohr hatte die Markteinführung bereits für das Frühjahr 2023 angekündigt. Die Insolvenz von Compleo im Dezember und die Übernahme durch die Kostal Gruppe in diesem Jahr haben das Projekt verzögert – aber aus Sicht von Lohr besser gemacht. Die Montage des eTower 200 findet zwar bei Compleo selbst statt, die wichtigen Leistungsmodule werden aber über den Elektronik-Experten Kostal bezigen und sollen perspektivisch auch von Kostal produziert werden. „Wir kaufen bewusst keine Module zu, weil dort der USP liegt“, so Lohr bei der HPC-Präsentation.

Die Leistungsmodule sind das Kernstück des eTowers. In der 200er Version sind insgesamt sieben Module mit einer Leistung von jeweils 29 kW verbaut – dank SiC-Halbleiter soll die Effizienz in einem großen Bereich bei über 96 Prozent liegen. Damit kann die Ladeleistung in 29-kW-Schritten modular zwischen den beiden Ladepunkten einer Säule verteilt werden. So können die 200 kW deutlich besser ausgenutzt werden als bei größeren Leistungsmodulen, wo nur eine gröbere Verteilung möglich ist. Der weit verbreitete Alpitronic Hypercharger HYC300 nutzt etwa 75-kW-Module – Alpitronic ist beim neuen HYC400 aber auch auf kleinere Module gegangen.

Compleo rechnet vor, dass mit der genaueren Verteilung der Ladeleistung an den tatsächlichen Bedarf der angeschlossenen Fahrzeuge der Betreiber der Ladesäule pro Jahr bis zu 35 MWh mehr Strom verkaufen können soll. Die Details der Simulation, etwa der Vergleichswert und Annahmen zur Auslastung, hat Compleo aber nicht genau vorgestellt.

Dafür berichtet Christian Müller-Winterberg, Vice President R&D bei Compleo, über die grundsätzlichen Überlegungen am Anfang der Entwicklung. Mit dieser Grundlagen-Arbeit und Feedback von CPO will Compleo einige Punkte gefunden haben, die den eigenen eTower von bestehenden HPC-Produkten abheben sollen. Ein Beispiel sind die kleineren Leistungsmodule, ein anderes das Gehäuse selbst.

Denn der eTower wurde laut Chefentwickler Müller-Winterberg so entworfen, dass er für den Betreiber nicht nur einfach zu warten ist, sondern auch an Orten installiert werden kann, wo andere HPC nicht aufgestellt werden können. Mit glatten zwei Metern ist der eTower etwas kleiner als andere Säulen. Und da er nicht mit einem Kran über eine Halterung an der Oberseite auf das Fundament gehoben wird, sondern mit einem Gabelstapler an Ort und Stelle bewegt werden kann, ist auch die Installation in einer Tiefgarage oder einem Parkhaus möglich. Auch Service-Türen an mehreren Seiten der Ladesäule verhindern oft die gewünschte Installation. Der eTower hat nur noch einen Zugang an der Front. „Wir können den eTower direkt an eine Wand stellen, da keine Servicetür an der Rückseite verbaut ist“, erklärt Müller-Winterberg.

Bei der für HPC wichtigen Kühlung setzt Compleo nicht auf einen horizontalen Luftfluss durch das Gehäuse, sondern den Kamineffekt: Die warme Luft steigt auf und soll nach oben von selbst austreten, kühle Luft wird unten angesaugt. Damit soll das Betriebsgeräusch bei unter 55 dB liegen – womit auch eine Installation in Wohngebieten möglich sei, so Compleo.

Bestellbücher sind geöffnet

Auf einen Touchscreen haben die Dortmunder bewusst verzichtet, da dieser bei Regen oder Kälte schlecht bedienbar sein kann. Stattdessen gibt es ein 15-Zoll-Display mit vier Knöpfen und ein integriertes Payment-Modul. Der eTower entspricht somit der LSV und kann auch eichrechtskonform abrechnen – dank zweiter integrierter SAM-Module.

Verbindliche Bestellungen nimmt Compleo seit Mittwochabend an – bei einem Event im Entwicklungszentrum wurde der eTower 200 potenziellen Kunden vorgestellt. Derzeit werden die letzten Prototypen in die Null-Serie überführt, im Januar soll die Produktion dann starten und hochgefahren werden. Mit größeren Stückzahlen rechnet Lohr ab den zweiten Quartal.

„HPC haben zwar geringere Stückzahlen, sind aber ein Umsatztreiber. Dazu kommt, dass der HPC-Markt von deutlich weniger Konkurrenten geprägt ist als zum Beispiel die Wallboxen“, sagt der Compleo-Chef. „Wir bauen das Portfolio vertikal aus, um uns von einzelnen Produktgruppen unabhängiger zu machen.“

Zunächst nimmt Compleo mit dem HPC Europa in den Fokus, später könnte auch ein Vertrieb in Nordamerika erfolgen. Die Ziele sind nach der durchlaufenen Insolvenz in Eigenverwaltung wieder groß: Bis 2030 will Lohr in den Compleo-Kernmärkten der DACH-Region, im UK und Skandinavien einen „signifikanten Marktanteil“ erreichen, in der restlichen EU und dem NAFTA-Raum soll es ein „erkennbarer Marktanteil“ werden – und über eine Milliarde Euro Nettoumsatz.

Quelle: Livestream der Präsentation, Info per E-Mail

Der Beitrag Compleo stellt HPC-Säule eTower 200 vor erschien zuerst auf electrive.net.

Quelle: Du hast nach feed gesucht – electrive.net

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